Veranstalterinfo Künstlerhaus Vorwerkstift
Vorwerkstrasse 21
20357 Hamburg

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Profil

Das einstige Altenwohnstift stand in den 80er Jahren leer. Eine Gruppe von Künstlern besetzte eine ehemalige Polizeiwache in Billstedt, um ein Atelier- und Wohnhaus für Künstler dort einzurichten. Von der Stadt wurde als Alternative das Vowerkstift vorgeschlagen, allerdings unter der Bedingung, sich einen institutionellen Partner zu suchen. Bei der Suche nach einem Partner für dieses Vorhaben landete diese Gruppe bei der »Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe« (kurz: Patriotische Gesellschaft von 1765). Hier fand sich ein Kreis, der diese Idee unterstützte und zu deren Umsetzung die »Stiftung Freiraum e.V.« gründete. Das Vorwerkstift wurde mit städtischen Mitteln und Eigenleistungen der Bewohner erneuert. 1990 übertrug die Freie und Hansestadt Hamburg für die Dauer von 30 Jahren die Nutzungssrechte an die Stiftung Freiraum e.V.

Das Anliegen des Projektes ist es, preiswerten Lebens- und Arbeitsraum für engagierte und künstlerisch tätige Menschen mit geringem Einkommen zu erhalten. Die Wohndauer in diesem Zwischending aus Projekthaus und Stipendium beträgt maximal 5 Jahre (drei Jahre mit der Möglichkeit zweimal um jeweils ein Jahr zu verlängern). Die jeweilige Hausgemeinschaft und Stiftung Freiraum e.V. entscheiden in einem Bewerbungsverfahren gemeinsam über die Auswahl der neuen Bewohner bzw. über längeres Verweilen der Bewohner. Von einer unmittelbaren Verwertbarkeit der künstlerischen Produktion wird abgesehen. Das Vorwerkstift soll primär ein Freiraum für künstlerisches Forschen und Experimentieren sowie für Austausch und Zusammenarbeit sein. Den 19 Bewohnern steht für eine für Hamburger Verhältnisse geringe Miete – zusätzlich zum Wohnraum auch Atelierfläche, ein Proberaum und ein Galerieraum – zur Verfügung. Die Mietzahlungen der NutzerInnen dienen dem Unterhalt des Projekts und dem Erhalt des Gebäudes. Im Vorwerkstift ist ein Austausch sowohl unmittelbar in künstlerischem Tätigsein als auch im alltäglichen Umgang und Auseinandersetzung miteinander möglich und unvermeidbar. Die Hausgemeinschaft zeichnet sich durch eine große Heterogenität aus – es wohnen und arbeiten hier bildende KünstlerIinnen, MusikerIinnen, SchriftstellerIinnen und Theaterschaffende. Unterschiedliche Kunstbegriffe, Sprachen, Lebensentwürfe, Vorstellungen über das Künstlersein und Ansätze desKunstmachens treffen aufeinander. Verbunden damit stehen sehr verschiedene Lebensrhythmen, Bedürfnisse und Anforderungen an das Projekt in ständiger Wechselwirkung miteinander. Diese Vielfalt führt zu einem bereichernden Austausch und gleichzeitig führt sie zu anstrengenden Entscheidungsfindungen und zu komplexen Gruppenprozessen in einer Gemeinschaft von KünstlerIinnen, die keine Künstlergruppe ist. Dieses Spektrum wird noch erweitert durch Gäste, die jeweils für drei Monate hier leben und arbeiten und sich und die Ergebnisse ihrer Arbeit im Haus vorstellen. Die Organisation des Alltags im Haus, z.B. die Betreuung der Gäste und der Galerie als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum, übernimmt die Hausgemeinschaft. Entscheidungen über das alltägliche Zusammenleben, Veranstaltungen und gemeinsame Anschaffungen werden demokratisch in der Hausversammlung getroffen, grundsätzlichere Entscheidungen wurden bislang von Stifung Freiraum und der Hausgemeinschaft gemeinsam erarbeitet.

Zur Zeit passieren im Vorwerkstift einige gravierende Veränderungen: in einer neuen Konzeption von 2007, die mit der Hausversammlung nicht abgestimmt wurde und von dieser auch nicht anerkannt wird, ist eine deutliche Ent-Demokratisierung abzusehen. Das Mitspracherecht der Hausversammlung im Verlängerungsverfahren wird eingeschränkt. Dahinter steht das Ziel, die Verweildauer generell auf drei Jahre zu verkürzen und den Stipendiumscharakter, den das Wohnen im Vorwerkstift hat (eigentlich vor allem durch die im Vergleich stark angestiegenen Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt), stärker zu betonen. Die BewohnerInnen stehen dieser Veränderung in der Ausrichtung des Projektes kritisch gegenüber: Eine noch größere Fluktuation und der größere Druck, den eine verkürzte Aufenthaltsdauer erzeugt, würde zu Vereinzelung führen, eine Konkurrenzsituation im Haus erzeugen, einen Rückzug von Gemeinschaftsaufgaben und die Konzentration auf eigene Karriere verstärken. Auch das Bewerbungsverfahrenehen, das zur Zeit jedem Bewohner eine Stimme gibt, um die neuen BewohnerInnen in die Hausgemeinschaft zu wählen, sehen wir von willkürlichen Konzeptionsänderungen zugunsten eines Verfahrens, das der Stiftung Freiraum e.V. Allmacht erteilen wird, bedroht. Wir, die momentanen BewohnerInnen des Vorwerkstiftes, setzen uns dafür ein, diesen gesamtgesellschaftlichen Tendenzen nicht einfach nachzugeben oder vorauseilend zu folgen, sondern die noch bestehenden Freiräume zu erhalten. In dem eskalierenden Streit um diese Veränderungen bemühen wir uns seit über einem Jahr um eine Rückkehr zu gemeinschaftlichen Entscheidungen statt autoritärer Vorschriften des Trägervereins. Die Zuspitzung der Situation beinhaltet, daß engagierte BewohnerIinnen entgegen der Auffassung der Hausgemeinschaft eine Verlängerung der Wohndauer von der Stiftung Freiraum nicht bewilligt bekommen haben und sich mit Räumungsklagen konfrontiert sahen und noch sehen. Statt Freiraum wird Leerstand produziert. Statt Einblick in die Gelder/Finanzen werden die HausbewohnerInnen mit seltsamsten Äusserungen abgespeist, die das Misstrauen gegenüber dem Vorstand der Stiftung Freiraum e.V. und dessen Funktion stärken. Die Kritik von Seiten der HausbeohnerInnen, auf der Internetseite des Vorwerkstiftes geäussert, wurde durch Bußgeld und Unterlassensklage der Öffentlichkeit entzogen. Die Hausgemeinschaft des Vorwerkstifts will eine Beschneidung ihrer demokratischen Rechte nicht hinnehmen. Sie kämpft für den Erhalt dieses Freiraums zum künstlerischen Forschen und Experimentieren. Um die eigene rechtliche Position zu stärken, wurde im Dezember 2008 der Verein der Bewohner/innen des Vorwerkstifts e.V. gegründet. Wir fordern volles Mitspracherecht bei allen Belangen, die das Projekt betreffen! Wir wollen dieses Projekt langfristig erhalten! Wir sehen die internen Vorgänge, die unser Projekt bedrohen, als Teil eines stattfindenden Umstrukturierungs- und Aufwertungsprozesses, der nicht nur in unserem Viertel durchgesetzt wird, an. Wir solidarisieren uns daher ausdrücklich mit den Bemühungen der Projekte Gängeviertel, Centro Sociale und Frappant, da diese ebenso wie wir durch die aktuelle Hamburger Kulturpolitik bedroht sind. verein vorwerk e. v. vorwerkstrasse 21 20357 hamburg post@artist-residence-hamburg.de www.artist-residence-hamburg.de

Für die Angaben zu Terminen, Adressen und Verantwortlichkeiten zeichnet der Veranstalter.

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